Sechs Wochen mittendrin: Die vhs im Pop-up-Store Dreieich

Sechs Wochen lang war die vhs Kreis Offenbach mitten in der Sprendlinger Innenstadt zu Gast. Vom 28. August bis zum 3. Oktober verwandelte sich der Pop-up-Store in der Offenbacher Straße 1 in Kursraum, Treffpunkt, Vortragsort, Beratungsstelle und Lernwerkstatt.

Den Anfang machte ein Thementag rund um „Einsamkeiten“ – ein Thema, das Menschen in ganz unterschiedlichen Lebensphasen betrifft. Besonders eindrücklich war der Austausch zwischen Jugendlichen sowie Seniorinnen und Senioren über Erfahrungen von Einsamkeit, Gemeinschaft und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Schon an diesem ersten Tag zeigte sich, was den Pop-up-Store in den folgenden Wochen prägen sollte: Bildung nicht nur als Wissensvermittlung, sondern auch als Anlass für Begegnung.

Die Grundidee des Projekts war ebenso einfach wie spannend: Was passiert, wenn Volkshochschule nicht am gewohnten Standort stattfindet, sondern dort, wo Menschen ohnehin unterwegs sind? Die Bilanz fällt positiv aus. Mehr als 50 Veranstaltungen, Beratungs- und Schnupperangebote lockten gut 1000 Besucherinnen und Besucher in den Pop-up-Store.
Gerade die unmittelbare Präsenz in der Innenstadt erwies sich als eine der wichtigsten Erfahrungen. Nicht alle kamen gezielt zu einer Veranstaltung. Immer wieder öffneten Passantinnen und Passanten spontan die Tür, nahmen ein Programmheft mit, informierten sich über Sprach- und Integrationskurse, Prüfungen oder andere Angebote und kamen mit den Mitarbeitenden ins Gespräch. Die temporäre Außenstelle wurde damit für einige Wochen tatsächlich zu einer kleinen vhs-Filiale mitten in Sprendlingen.

Dass ganz unterschiedliche Menschen einen Anlass fanden hereinzukommen, lag nicht zuletzt an der großen Bandbreite des Programms. Politische und historische Veranstaltungen standen neben Kreativangeboten, Beratungen und Mitmachformaten. Einen besonders großen Raum nahm der Gesundheitsbereich ein. „Von Kopf bis Fuß“ reichte das Spektrum: von Vorträgen zur häuslichen Zahnpflege, zur ganzheitlichen Funktion des Mundes und zu gesunder Ernährung über Workshops zu Achtsamkeit, Entspannung, Klangschalen, Zwerchfell und Vagusnerv bis hin zu Schnupper-Yoga und kurzen Entspannungsangeboten „to go“. Besonders gefragt war die kostenlose Gesundheitsberatung, die wegen des großen Interesses mehrfach angeboten wurde.
Auch die Kreativkurse der vhs waren während der gesamten Zeit sichtbar präsent. Die Wände des Pop-up-Stores dienten als kleine Kunstgalerie: Zu sehen waren Aquarelle, Grafiken und weitere gekonnt gestaltete Arbeiten aus den Kreativkursen der vhs. So konnten Besucherinnen und Besucher ganz nebenbei entdecken, was in den Kursen entsteht – und die Ausstellung verlieh dem Raum eine besondere Atmosphäre.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der lokalen Geschichte. Gemeinsam mit der Stolpersteininitiative widmete sich eine Reihe von Erzählabenden der Geschichte Sprendlingens in der Zeit des Nationalsozialismus. Das Interesse war außerordentlich groß: Bei einem der Abende kamen mehr als 100 Gäste zusammen. Die Veranstaltungen machten deutlich, wie stark historische Bildung wirken kann, wenn sie unmittelbar an den eigenen Ort, bekannte Straßen und konkrete Biografien anknüpft.

Auch darüber hinaus spielte die Zusammenarbeit mit Partnern aus Dreieich und der Region eine wichtige Rolle. Die Omas gegen Rechts gestalteten einen Workshop zum Umgang mit Hass und Hetze. Politische Themen fanden ebenfalls ihren Platz: Ein Abend widmete sich Flucht und politischer Verfolgung im Iran, ein weiterer den aktuellen Entwicklungen im Nahen Osten. So trafen im Pop-up-Store lokale Geschichte, internationale Politik, persönliche Erfahrungen und zivilgesellschaftliches Engagement aufeinander.

Ein besonders prägendes neues Format war der vhs club. Hier stand nicht der klassische Kurs im Mittelpunkt, sondern das gemeinsame Erleben. Beim Demokratie-Pub-Quiz wurde gerätselt und diskutiert, ein Abend rund ums kreative Schreiben lud zum Zuhören, Ausprobieren und Vorlesen ein, beim langen Spieleabend kamen Menschen über Karten- und Brettspiele zusammen, und zum Abschluss brachten Besucherinnen und Besucher beim langen Schallplatten- und CD-Abend ihre eigene Musik und die Geschichten dazu mit.
Der Mix aus Bildung, Kultur und Geselligkeit kam gut an. Der vhs club hat gezeigt, dass offene Formate auch Menschen ansprechen können, die vielleicht nicht sofort einen mehrwöchigen Kurs buchen würden.

Auch über das eigene Programm hinaus hatte der Auftritt der vhs eine wichtige Funktion. Mit ihren Veranstaltungen, offenen Angeboten und einer über Wochen regelmäßig bespielten Ladenfläche trug sie dazu bei, die Sprendlinger Innenstadt zu beleben. Das entsprach der Idee des städtischen Pop-up-Konzepts: Leerstand vorübergehend mit Leben zu füllen, neue Anlässe für einen Besuch der Innenstadt zu schaffen und einen zusätzlichen Treffpunkt im Stadtzentrum entstehen zu lassen.
Für die vhs selbst war die Zeit im Pop-up-Store zugleich ein wertvoller Erprobungsraum. Neue Formate konnten getestet, Kooperationen vertieft und Erfahrungen gesammelt werden, die über das Projekt hinausreichen. Zugleich zeigte sich, wie sehr der Ort darüber mitentscheidet, wer sich angesprochen fühlt. Neben Stammgästen kamen neue Besucherinnen und Besucher, die den Weg ins Haus des Lebenslangen Lernens bislang seltener gefunden hatten.

Am 3. Oktober ging der Auftritt der vhs im Pop-up-Store im Rahmen des Stadtfestes in Dreieich zu Ende. Vieles davon wird jedoch bleiben: neue Kontakte und Kooperationen, Erfahrungen mit offenen Formaten und mit dem vhs club eine Idee, die weiterentwickelt werden soll. Vor allem aber hat das Projekt gezeigt, was möglich ist, wenn Erwachsenenbildung mitten im Alltag der Menschen stattfindet: Sie kann Wissen vermitteln, Diskussionen anstoßen, Generationen zusammenbringen, lokale Geschichte sichtbar machen und Kreativität einen öffentlichen Raum geben.

Und das schrieb die Presse zu unseren Aktivitäten im Pop-Up-Store:
Offenbach-Post am 29.08.2026: VHS bezieht Pop-up-Store in Sprendlinger Innenstadt: Pub-Quiz und Plattenabend geplant
Offenbach-Post am 25.09.2026: VHS-Pop-up-Store zieht Passanten an: „Richtig als Filiale angenommen"

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